Donnerstag, 18. Dezember 2008

Harry, hol' den Wagen. Zum letzten Geleit.

Mit Horst Tappert ist einer der letzten großen deutschen Schauspieler der „Alten Garde“ verstorben. Tappert spielte in vielen Filmen und Bühnenstücken die Hauptrolle, so auch in dem Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“. Die Rolle seines Lebens aber war die des Oberinspektors „Derrick“. Als Spätberufener - er war 51, als er die Nachfolge von Erik Ode ( "Der Kommissar" ) antrat - gelangte er zu Weltruhm, sogar in China saßen bis zu 500 Millionen (!) vor den TV-Schirmen, wenn Derrick ermittelte. Wohl kaum ein anderer wäre in der Lage gewesen, diese Rolle so auszufüllen wie der stets korrekt gekleidete Horst Tappert, der auch privat in diesem Stil gekleidet war und somit ein weltweit präsentes Aushängeschild des innereuropäischen Dresscodes für den "eleganten Herren" im Sinne des "Herrenjournals" war, dessen Mode-Essays sich ja rotfadenartig durch diesen Blog ziehen.

Camlot hat zu dem Kleidungsstil, den Tappert repräsentierte, einmal geschrieben:

"Derrick / Tappert ist ein exzellentes Beispiel für den Stil, den das hier in letzter Zeit häufig erwähnte "Herrenjournal" für vorbildlich und tadellos erklärte.
Damit ist er auch ein Aushängeschild für den innereuropäischen Stil.
Es gab ganz bestimmte Regeln, die von der Nachkriegszeit bis Ende der 1970er als unausgesprochene deutsch/österreichische "Dress-Codes" galten.
Dazu gehörten "Gesetze" wie: kein Blau zu Grün, kein Braun zu Schwarz, braune Schuhe nur zu braunen Anzügen oder Sportkleidung, Stecktuch gleich wie Krawatte oder rein Weiß, niemals als Bausch eingesteckt sondern immer penibel gefaltet, mehrfarbige Krawatte nur auf einfärbigem Hemd, zu gestreiftem Hemd nur einfärbige Krawatte, karierte Hemden nur zu Sportbekleidung, u.s.f.
Zugegeben, für Lässigkeit war da wenig Raum.
Der vorbildlich gekleidete Innereuropäer wirkte vielmehr immer ein wenig pedant und steif, wie sein Vorreiter, der Rittmeister Eelking himself.
Dafür bot dieser Stil viel Möglichkeiten für Sprezzatura und ein etwas breiter gestreiftes Hemd galt bereits als wahnsinnig extravagant."

Wir wollen des großen Schauspielers und „Dressers“ Tappert mit einigen Bildern noch einmal gedenken:







Samstag, 13. Dezember 2008

Das Maßmodell I


"links: Das vornehme Tailleurkostüm für die Stadt ist aus pastellfarbenem Gabardine gearbeitet und hat elegante lange Revers. Sofern es nicht auf einen Knopf gearbeitet wird, der dann etwas unterhalb der Taille liegt, ist deshalb der obere Knopf überrollt. Ziemlich obligativ ist jetzt hier die Brusttasche, da man sie heute gerne zur Akzentuierung benutzt.

rechts: Von demselben Gedankenwie beim Einreiher mit Einknopffront geht man auch bei diesem Zweireiher aus, um ihm schon im Schnitt ein besonders sommerliches Aussehen zu geben. Er wird ebenfalls - in Höhe des Tascheneinschnittes - nur mit einem Knopf geschlossen, und mann unterstreicht dies durch eine klare Trapezstellung.


links: Der moderne Campusstil des Herrn - Tweedjackett kombiniert mit Flanell- oder Gabardinebeinkleid wird im sportlichen oder ländlichen Milieu und im Gebirge ziemlich ähnlich auch von der eleganten Frau übernommen. Vorgezogen wird hier gegenwärtig die hochgeschlossene Front. Der Kragen kann durch die sogenannte Golflasche zugeknöpft werden.
rechts: Im Gegensatz zum Campusstil wird der Knickerbockeranzug stets aus einheitlichem Material gefertigt. Man wählt hier auch keine Norfolkfassons, die - eine echte Laune der Mode - heute mehr den langen Beinkleidern vorbehalten sind, sondern einen unkomplizierten Stil, schlichte, meist jedoch schräge Taschen und unbedingt lange Schlitze."
(c) Herrenjournal 1951

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Herrenjournal X: Blau für den Interimssakko

"Wenn man mit seiner Garderobe für alle Gelegenheiten gerüstet sein will, dann ergibt sich immer wieder, daß man unbedingt einen Anzug braucht, der zwischen dem üblichen Tagessakko und dem Abenddreß rangiert, einen Anzug also, der zurückhaltend in Farbe und Dessin ist. Diesen Anspruch erfüllt am besten natürlich der schwarze Sakko. Mit silbergrauem Langbinder macht man mit ihm eine gute Figur bei Konferenzen, und mit schwarzer Krawatte hat man ihn ihm einen richtigen Anzug bei Trauerfällen. Gibt man ihm aber eine diskrete Schleife, dann ist er wie geschaffen für kleine Tänzereien oder Theaterabende, für die der Smoking aus irgendeinem Grunde zu anspruchsvoll ist.
Aber mit diesem schwarzen Sakko hat es einen Haken. Man hat doch im allgemeinen zu wenig Verwendung für ihn. Und so ist er an sich eine kostspielige Angelegenheit. Fast gar nicht kann man ihn ja für die Tagesarbeit benutzen. Ganz sicher wird man dann nämlich immer wieder gefragt: "Was haben Sie denn heute vor?" Und tatsächlich hat man in diesem offiziellen Anzug zu den Lasten, die einem der Tag auferlegt, zuviel Distanz, so daß die Arbeit in ihm meist nicht flott genug von der Hand geht.
So kommt man also für diese Verwendung auch jetzt erneut zurück auf den dunkelblauen Sakko, da er eigentlich überall den Platz einnehmen kann, den die Mode an sich für den schwarzen Sakko bestimmt hat. Denn er ist diesem überlegen, weil er sich auch durchaus mit farbenfreudigem Beiwerk kombinieren läßt, so daß er dann in keiner Weise mehr einen offiziellen Eindruck macht und man ihn infolgedessen wie jeden anderen Tagessakko verwenden kann.
Wie oft hat die Mode schon versucht, für den "Interimssakko" irgendeinen anderen Vorschlag zu machen. Aber nach kurzer Zeit schon hat sie dann stets ihre Idee wieder aufgegeben. Jedenfalls hat in diese Mission weder der graue Anzug restlos befriedigt noch der braune. Jener nicht, weil man ihn zu dunkel wählen müßte, wodurch er leicht das Aussehen eines Altherrenanzugs bekommt, dieser aber nicht, weil er selbst im Havannaton für Abendveranstaltungen doch noch zu farbig ist. Bei dem marineblauen Sakko aber wird man diesen Einwand nicht erheben, denn er sticht in der Farbe ja kaum ab von dem Mitternachtston der Smokings (s. Abbildung)."


(c) Herrenjournal 1951

Sonntag, 7. Dezember 2008

Worte der Weisheit II. Heute von: Coco Chanel


Über Mode:
"Mode ist nicht allein eine Frage der Kleidung. Mode hat etwas mit Ideen zu tun, damit, wie wir leben."

Über wertvollen Schmuck:
"Wer will sein Geld schon am Hals hängen haben?"

Über Farben:
"Farben sind etwas Wunderschönes. Aber viele Menschen machen sich verrückt mit Gedanken über Farben. Man sollte mit Schwarz und Weiß beginnen."

Über Wertbeständigkeit von Kleidern:
"Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Kleidung wegzuwerfen, nur weil ein anderes Jahr gekommen ist, finde ich schrecklich."

Über Einfachheit in der Garderobe:
"Ein paar wirklich gute Stücke genügen. Man sollte nicht viel Zeit mit Anziehen oder auch nur dem Nachdenken darüber verschwenden."

Sonntag, 30. November 2008

Die Rückkehr des Pinguins


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Daß White-Tie / Frack ein Revival erleben ist offensichtlich.
Überlebte der Pinguin bislang mehr oder weniger in unseren Breiten durch den Dresscode des Wiener Opernballs, so gibt es immer mehr Veranstaltungen wie zB. die Grazer Opern-Redoute , auf denen es opportun erscheint, sich als Herr im Frack zu zeigen.
War man über viele Jahre dabei auf die Dienste eines Maßschneiders oder den Kostümverleih angewiesen, so ist die vermehrte Lagerhaltung von Langschößigen sogar in den Abteilungen besserer Kaufhäuser ein untrüglicher Beweis für die Nachfrage nach solcher Kleidung.
Wenn es dann auch noch im TV publik gemacht ist, dann stehen die Weichen gut für ein Revival.
So geschehen gestern im Finale der Supertalente-Show von RTL.
An Mißglücktheit in der Vermittlung von True White-Tie Style war die Botschaft jedoch kaum zu überbieten :
Da machte der unnötige Zweitmoderator, dessen Namen ich mir mangels Notwendigkeit nicht gemerkt habe, mehrmals auf seinen Anzug aufmerksam, den er auch noch tatsächlich als Frack bezeichnete. Leider wird ihm das ein großer Teil des Publikums sogar geglaubt haben.
Tatsächlich trug er ein unsägliches Etwas, mit einem Jäckchen, dessen Vorderteile um ebensoviel zu kurz waren wie die Rockschwänze zu lang.
Dazu trug er ein Irgendwiehemd mit lachhaftem Kläppchenkragen und einer schwarzen Schleife, womit er den Begriff White-Tie ad absurdum führte .
Krönung der Peinlichkeit war ein anstelle der obligaten Frackweste getragener Kummerbund, über dessen oberer Zusammengeschobenheit links und rechts um die Mitte des Herren das besagte Irgendwiehemd herausquoll.

Als zweite Peinlichkeit erschien dann noch der Sieger des Vorjahres, ein Tenor, bei dem weniger die Stimme als die Leibesfülle an Pavarotti sel. erinnerte in einem zwar von der Zusammenstellung korrekten Frack, der aber so schlecht gemacht war, daß der Eindruck entstand, es hinge dem Ärmsten das Hemd aus dem Hosenbund, tatsächlich war es die viel zu lange und viel zu weite weiße Piqueeweste, die ellenbreit unter dem viel zu kurzen und zu engen Frackoberteil herunterhing.

"Gesellige" Konversationszeilen wie die geschmacklose Äußerung "Wir beide im Frack. Bei dir kommt der aber echt fett rüber..." vom Kommentator im Pseudofrack zum mehr als stattlichen Sänger bestätigen, daß man sich den Namen dieses "Stimmungsmachers" wirklich nicht zu merken braucht .

Werbung für den Frack als "herr-lichsten" aller Abendanzüge für den Herren war es allemal, ein guter Dienst zur Arterhaltung des echten Pinguins hingegen ganz und gar nicht.

Man muß sich die Frage stellen, wer berät solche Menschen, bevor man sie auf die Bühne schickt und vor ein Millionenpublikum zuhause vor den Bildschirmen?
Vielleicht hätte man sich an den als Jury-Mitglied agierenden Model-Trainer und Show-Choreographen Bruce Darnell wenden sollen. Der Ex-Dressman erschien als einziger an der Front korrekt und für seinen Typ vorteilhaft gekleidet im eleganten dunklen Anzug mit blütenweißem Hemd und schlichter, dunkler Solid Tie.

Um nicht als Ewiggestriger mißverstanden zu werden: Neuerungen in der Mode sind wünschenswert. Sie sollten aber besser und kleidsamer sein als Althergebrachtes.

Sonntag, 23. November 2008

Worte der Weisheit I . Heute von : Giorgio Armani


"Luxus im Kleidungsstil springt nicht ins Auge. Er kommt durch Material, Farbe und Proportionen - Dinge, die unvergänglich sind."

"Was Stil von Mode unterscheidet, ist die Qualität."

"Übertreibungen sind immer falsch."

"Ein Jacket sollte so gut und bequem gemacht sein, dass man sich darin so wohl fühlt wie in einer alten Strickjacke."

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Die Sakkotypen des Frühjahrs III: Der Büroanzug

"Abgesehen von einem möglichst unauffälligen Dessin, das es gestattet, mit Hemd- und Krawattenmuster ohne Komplikationen zu operieren und hier immer wieder für Abwechslung zu sorgen, sind für den Anzug, den man als Büroanzug nominieren könnte, folgende beide Faktoren von Bedeutung: Hat man nicht gerade einen Beruf, in dem man "à quatre épingle" angezogen sein muß, dann wird man für den Arbeitstag meist dem zwanglosen Anzugsstil den Vorzug geben vor den allzu korrekten Modellen. Also kein Promenaden- oder Teeanzug in der Art des eleganten Zweiknopfsakkos mit hohem steigendem Revers oder tiefgeschnittener zweireihiger Weste. Und dann ist es auch nicht gerade sehr bequem, wenn man an seinem Schreibtisch mit einem Zweireiher sitzt. Denn, wenn man nicht will, daß sich bei ihm in der Magengegend häßliche Querfalten einnisten, muß man ihn immer wieder aufknöpfen, wenn man sich mal erhoben hatte; immer daran zu denken, fällt manchem aber recht lästig. So ist denn der Einreiher mit dem solide fallenden Revers hier die passende Anzugsgattung.


Keineswegs braucht nun aber ds Modell simpel zu sein. Die neue Saison stellt diesmal sogar eine Form mit hochmodischen Akzenten heraus, basierend auf dem "Edwardian-Style", der überdies den Vorzug hat, daß seine charakteristischen Eigenschaften zugleich auch praktisch sind. Dies gilt von der nur oben geschlossenen Front ebenso wie von den beim Sitzen bequemen schrägen Taschen, auf die sich aus diesem Grunde ja auch die Reiter festgelegt haben.

Und schließlich sind auch die um die Jahrhundertwende üblichen und heute wieder populär werdenden Ärmelaufschläge nicht ganz ohne Sinn, denn man kann sie schnel als "Mementa" verwenden, wenn man sich eine Notiz gemacht hat, die man nicht verlegen möchte.

Den Stil der Jahrhundertwende aufnehmend auch wieder Kragennadel, teils bei Windsorform, Pendantmöglichkeiten bei Krawatte und Strumpf. Neben Camber (Model Wegener) und Snaphrim (Modell Rockel) auch Melone. Da fallende Revers: Fullbrogues zulässig.


Bei diesem Sakko hat man es denn auch mit dem Beiwerk insofern verhältnismäßig leicht, als man bei einem Modell dieser Art kaum irgendwelche Einschränkungen zu machen braucht. Gegen den gesteiften weißen Kragen läßt sich hier ebensowenig einwenden wie gegen ein farbiges Hemd mit Nadelkragen. Auch Krawatte, Taschentuch und Strümpfe können ebenso diskret als auch auf Farben eingestellt sein. Und neben den verschiedenen Hutformen bringt sich gerade hier auch die Melone wieder in Erinnerung, weil auch sie ihre Blüteperiode in der Zeit Edwards VII. hatte. Womit dieser Anzug beweist, daß er bei so verschiedenen Zusammenstellungen auch noch eine Qualifikation für allerlei andere Gelegenheiten besitzt."