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Montag, 12. Januar 2009

Herrenjournal XV: Inoffiziell und doch 'angezogen'. Die Aufgaben des zweireihigen Smokings

Im dritten Teil unser in Kleinauflage erschienenen Serie über die unterschiedlichen Spielarten der Abendgarderobe wollen wir nun dem zweireihigen Smoking seinen gebührenden Platz einräumen. Zwar wird man zu manch einer der damals ausgesprochenen Empfehlungen heutzutage weniger förmlich erscheinen wollen, die Grundaussage aber bleibt: Wir sollten die Anlässe wieder mehr zu würdigen wissen, und das drücken wir nach außen hin am wirksamsten durch unsere Kleiderwahl aus. Viel Spaß bei der Lektüre!

"Die Aufgaben des zweireihigen Smokings

Der zweireihige Smoking ist nicht nur eine einfache Variation seines einknöpfigen Bruders. Wäre er nur das, so hätte er sicher schon nach kurzer Zeit ausgespielt, denn jeder würde in diesem Fall stets die ursprüngliche Form des Smokings vorziehen, weil sie mit ihrer größeren Hemdbrust dekorativer wirkt. Gerade der üppige Pikee-Einsatz ist es andererseits aber wieder, der dem einreihigen Smoking gewisse Grenzen setzt. Er bindet ihn an die gleiche späte Stunde, wie sie dem Frack vorgeschrieben ist, und er hält ihn außerdem aus dem Kreis jener fern, denen der Sakko für den Abend genügt. Der zweireihige Smoking ist da weniger engherzig. Seine sich schon ziemlich hoch überschneidenden Revers lassen von dem Hemdeinsatz nicht mehr sehen als bei irgendeinem Sakko. So fällt der zweireihige Smoking, zumal er hauptsächlich mit Umlegekragen getragen wird, in der Gesellschaft dunkler Anzüge kaum auf, was ihm außerdem auch die Möglichkeit schafft, sich schon vor dem Abend zu zeigen. Allerdings ist er noch nichts für den 5-Uhr-Tee der Hotels, immerhin kann er aber bei einem Bridgenachmittag in einem Privathaushalt bereits in Aktion treten, wenn sich ein Imbiß anschließt. Darüber hinaus ist der zweireihige Smoking der gegebene Anzug für alle Gelegenheiten, bei denen man neben Abendgarderobe auch Sakkos vermutet. Unter sich sind beide Smokingmodelle natürlich gleichberechtigt. Spielt an einem Abend aber der Frack die Hauptrolle, dann ist für den zweireihigen Smoking, weil er nicht mit einer weißen Front aufwarten kann, die Lizenz aufgehoben.

Für die Stellung des zweireihigen Smokings ist bezeichnend, daß man ihn im Ausland als "semiformal" charakterisiert hat. Er ist infolgedessen auch hauptsächlich mitternachtsblau.




Selbstverständlich kann zum zweireihigen Smoking, genau wie zu jedem korrekten dunklen Sakko, auch der Klappenkragen getragen werden. Sein Hut ist der Homburg.


Gelegenheiten für den zweireihigen Smoking:

- Abendgesellschaften
- Bar
- Boxkämpfe
- Bridgeeinladungen
- Cocktaileinladungen
- Filmpremieren
- Herrenabende
- Kabarett
- Klubabende
- Konzerte
- Oper
- Reitturnier (Zuschauer am Abend)
- Spielsaal
- Sportfeste am Abend
- Taufe
- Theater
- Varieté
- Weinrestaurants
- Zirkus"

(c) Herrenjournal 1936

Samstag, 10. Januar 2009

Der einreihige Smoking, ein vielseitiger Abendanzug - Herrenjournal XIV: Beim einreihigen Smoking kommt es auf die Weste an

Nachdem wir zuletzt dem Frack seinen ihm zustehenden Platz eingeräumt haben, lohnt es sich nun, auch den Smoking in seiner ganzen Vielfalt zu beleuchten. Zwar liegen die Empfehlungen des Herrenjournals schon gute 70 Jahre zurück, an ihrer Gültigkeit - gerade im Bereich der Abendmode - hat sich jedoch nicht viel geändert. Man müßte sogar so weit gehen und sagen, daß heutzutage, wo ein wirklich nur noch verschwindend geringer Anteil der Männer in Deutschland einen Frack besitzt, der Smoking mit seinen vielfältigen Trageweisen um so wichtiger geworden ist. Kaum ein Kleidungsstück läßt sich so fein an abendliche Veranstaltungen anpassen wie der Smoking, bei dem schon kleine Änderungen des Beiwerks große Wirkung zeigen können:


"Der einreihige Smoking ist der einzige Abendanzug, der sich zwei Westen leisten kann, die schwarze wie die weiße, was weder dem Frack zusteht, der sich mit der weißen Weste begnügen muß, noch dem zweireihigen Smoking, bei dem eine weiße Weste ja völlig illusorisch wäre, weil man von ihr nie etwas zu sehen bekäme.
Natürlich kann man nicht wahllos entscheiden, ob man die weiße oder die schwarze Weste tragen will. Hier hat sich im Laufe der letzten Jahre vielmehr eine ganz feste Regel herausgebildet. Nämlich die: daß man sich zur weißen Weste nur entschließt, wenn der Abend in der Hauptsache dem Tanz gewidmet ist und außerdem unter den Teilnehmern des Festes womöglich viele im Frack erscheinen werden. Bei anderen Gelegenheiten die weiße Weste mitspielen zu lassen, ist in den meisten Fällen Überleganz, die der Mann von Geschmack vermeidet. Je nachdem, ob der Abend der weißen oder der schwarzen Weste gehört, unterscheidet man dann meistens heute auch die Zuteilung der Attribute, denn die verschiedenen Kopfbedeckungen haben hier ebenso wie die einzelnen Wäsche-arten und Schuhtypen nicht grundsätzlich das gleiche Recht.


Zur weißen Weste gehören:Steifes Hemd mit Klappenkragen, Chapeau claque oder schwarzer Demi-Homburg, Pumps oder Halbschuhe - Zur schwarzen Weste gehören: Steifes Hemd mit Klappenkragen oder Umlegekragen, schwarzer Demi-Homburg, Halbschuhe

Gelegenheiten für den einreihigen Smoking:

- Abendgesellschaften
- Bar
- Boxkämpfe
- Cocktail-Einladungen
- Filmpremieren
- Herrenabende
- Kabarett
- Klubabende
- Konzerte
- Oper
- Polterabend
- Reitturnier
- Restaurant (Wein-)
- Spielsaal
- Sportfeste am Abend
- Tanzabende an der See
- Tanzgesellschaften
- Taufe
- Theater
- Varieté
- Zirkus"
(c) Herrenjournal 1936

Montag, 13. Oktober 2008

Herrenjournal VIII: Der Gesellschaftssakko für den Tag und Abend

"Bei einem ausländischen Konsul fand sich kürzlich um die Teestunde eine kleine auserlesene Gesellschaft zusammen. Im Nebenzimmer waren schon die Bridgetische aufgeschlagen, und nach dem lezten Robber wurde noch einmal auf Serviertischen ein kaltes Buffet hereingerollt. Unter den Herren aber entspann sich jetzt eine angeregte Diskussion über das Thema: "Wer hat nun eigentlich von uns den richtigen Anzug an?" Denn da waren vertreten: Ein brauner und ein dunkelblauer Zweireiher, ein einreihiger Marengo-Sakko mit grauem Beinkleid und sogar ein Smoking.
Der Herr mit der Cuthose berief sich darauf, daß er nicht angenommen habe, die Einladung würde sich auch noch auf einen Abendimbiß erstrecken. Der Südländer rechtfertigte sein Dinnerjackett damit, daß ja schon die Lichter gebrannt hätten, als er auf die Hausklingel gedrückt habe. Die Herren im Zweireiher aber nahmen den Standpunkt ein, daß für solche Parties, deren Ende man vorher nie genau abzuschätzen weiß, weder gesellschaftliche Tages-Sakko in Betracht käme noch ein offizieller Abendanzug, durch den man möglicherweise die Gastgeber leicht in Verlegenheit bringen könnte. Für sie war darum der dunkle einheitliche Sakko, ergänzt durch eine diskret gemusterte Schleife, der einzig richtige Anzug für eine Gelegenheit dieser Art. Und man ließ sich denn auch von ihnen überzeugen.
Für den Sakko mit gesellschaftlichem Charakter gibt es aber heute noch eine ganze Anzahl von anderen Verwendungsmöglichkeiten, und so ist er jetzt zweifellos zu einem wichtigen Bestandteil in der Garderobe des Herrn geworden.
Über seinen Stil aber herren noch immer mancherlei Meinungsverschiedenheiten, so daß hier einmal einige Fragen geklärt werden müssen.

Zunächst folgendes: Der Gesellschaftssakko soll ja ebenso am Tage an Stelle des Cuts wie am Abend als Smokingersatz verwendet werden. Verlangt man nun von einem Anzug, daß er beiden Situationen gerecht wird, dann gibt es hier gar keine andere Lösung als die, Jackett und Beinkleid aus gleichem Stoff zu fertigen. Denn die graue Hose ist am Abend immer deplaciert, genau so wie der Cut selbst; andererseits aber geht es bei gesellschaftlichen Tagesveranstaltungen auch einmal ohne graues Beinkleid. Die Fasson des Sakkos - ob einreihig oder zweireihig - hat demgegenüber nur geringe Bedeutung. Will man jedoch bei dieser Anzugsgattung deutlich einen Trennungsstrich machen zwischen Tages- und Abendkleidung, dann stehen sich hier folgende Modelle gegenüber: Bis zum Nachmittag der Einreiher - natürlich mit steigendem Revers -, kombiniert durch das graue Beinkleid. Und für den Tagesausklang der komplette Zweireiher mit Tiefknopfstellung, wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem Schnitt des modernen Smokings.




Dazu wäre im einzelnen noch folgendes zu sagen: Die Mode ist augenblicklich zwart wieder sehr an der zweireihigen Phantasieweste interessiert, dennoch sollte zum einreihigen Gesellschafts-Sakko, da man sich nicht überall einen so prononcierten Akzent leisten kann, stets auch eine Weste aus gleichem Material wie das Jackett mitbestellt werden. In der Regel wird diese Weste wohl ebenfalls eine einreihige Fasson haben und dann nach der letzten Parole mit drei Knöpfen sichtbar sein, da man sich in diesem Fall an die nur zweiknöpfige Sakkofront hält. Mit dem gestreiften Beinkleid zusammen gibt das dann eine distinguierte, wenn auch sehr ruhige Kombination. Eleganter wirkt dieser einreihige Vertreter des Cuts allerdings, wenn man ihn durch eine zweireihige Weste ergänzt. Ihr muß man aber, will man die zweireihige Sakkofront beibehalten, schon einen recht breiten und langen Umschlag im englischen Geschmack geben, damit die Front nicht zu viel Überschneidungen zeigt. Auch wenn diese Weste aus dem Sakkostoff gearbeitet wird, macht sie einen sehr individuellen Eindruck. Wählt man aber für sie ein helles Material - heute Sandfarben mehr bevorzugt als Grau -, dann läßt sich auf diese Weise auch der Einreiher mit gleicher Hose als ausgesprochener Gesellschafts-Sakko verwenden. Mit dem grauen Beinkleid zusammen, für das in diesem Fall Unis und Glenchecks bevorzugt werden, hat man aber natürlich auch in dem zweireihigen Sakko einen vollwertigen offiziellen Tagesanzug. Woraus sich ergibt, daß auch hier entschieden am ratsamsten die Anschaffung eines zweireihigen Anzugs ist, den man dann gegebenfalls durch eine Phantasieweste oder ein Cutbeinkleid noch intensiver als Tagessakko herausstellen kann.

Allerlei Variationen gibt es da dann noch für das Beiwerk. Hat der Sakko die Mission des Cuts, so ist ihm nämlich für das Hemd auch ein pastellfarbener Ton - etwa ein Lachs - oder sogar eine Brust mit Querstreifen erlaubt, bei den Kragen aber rangiert am Tage wie am Abend der zwanglose Umlegekragen in der modernen Kentform gleichberechtigt neben dem korrekteren Klappenmodell, zu dem man aber den Langbinder vermeidet. Ist dieser dagegen - bei einem Umlegekragen - am Tage mit im Spiel, dann werden heute hier hellgraue und nur wenig gemusterte Krawatten den dunklen Streifendessins entschieden vorgezogen, besonders wenn die Krawatte zur dunklen Weste getragen wird.

Die korrekte Ergänzung zu diesem Gesellschafts-Sakko bildet dann der schwarze weiche Filzhut, der hier immer mehr den so lange gültigen grauen Homburg abgelöst hat. In der bordierten Form gehört er natürlich nur zum Tages-Gesellschafts-Sakko, den man heute der Unterscheidung wegen als "Besuchsanzug" bezeichnet. Und so findet denn hier jetzt eigentlich mehr Verwendung der nicht eingefaßte schwarze Filz, der - als "Eden" bekannt geworden - für den Abend zum sogenannten "Partysakko" die allein richtige Fasson darstellt, und der sich überdies durch einen etwas breiteren Rand auch der gegenwärtigen Mode besser anpassen läßt."


(c) Herrenjournal 2/1950